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Von: urmila am 15. April 2012 keine Kommentare
Seit kurzem veröffentlicht tagesschau den Videoblog Dilli Dilli mit dem Ziel:
Vor allem schildern sie den Alltag der Inder, aber auch politische Ereignisse werden zum Thema.
Es ist schon interessant, welche Dinge da zum Alltäglichen erhoben werden. Vorallem werden die in Deutschland besonders beliebten Themen Dhobighat , exotische Straßenhandelnde und das Lachen mal wieder bedient. Das alles völlig ohne gesellschaftspolitischen Hintergrund. Einfach nur um das exotische Indien zu porträtieren.
Ob da auch mal eine alltägliche Geschichte kommt, die deutschen Zusehenden nicht exotisch vorkommt?
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Von: urmila am 05. November 2010 keine Kommentare
Heute abend läuft auf Arte der deutsche Dokumentarfilm "Between the Lines". Ein Film von Thomas Wortmann über Hijras in Indien, der sehr beliebt zu sein scheint und auch schon auf suedasien.info positiv besprochen wurde.
Ich habe den Film nun schon mehrmals in der Lehre als ein Beispiel für einen sehr problematischen Dokumentarfilm genutzt. Der deutsche Regisseur Wortmann inszeniert eine indische Fotografin als Protagonistin und lässt diese den deutschen exotisierenden Blick auf Indien und die Hijras werfen. Die Hijras werden vornehmlich mit den zwei Fragen, ob sie als Sexarbeiter_innen arbeiten und ob sie kastriert sind konfrontiert. Sie werden als frauenfeindlich porträtiert. Das aktivistische Engagement der porträtierten Hijras wird mit keinem Wort erwähnt. Es wird auch nicht erwähnt, welch unterschiedliche Lebensformen Hijras in Indien haben erwähnt und sowieso kein politischer Blick auf die alltägliche Ausgrenzung von Hijras in Indien geworfen.
Zu empfehlen ist der Film also nur all denen, die Bilder vom exotischen Anderen bedient haben möchten und Vorurteile stärken möchten.
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Von: Savifa am 14. Juli 2009 keine Kommentare
God of Justice : Ritual Healing and Social Justice in the Central Himalayas / William S. Sax. Oxford: Oxford University Press, 2009
Auch wenn die Angehörigen der unteren Kasten in Garhwal, im indischen Zentralhimalaya alles in allem nicht so schlecht dastehen, wie die unteren Kasten im Süden des Subkontinents, so leben sie doch mit der Last ihres niedrigen Status. Sie dürfen bestimmte Häuser nicht betreten, sollten bestimmte Tempel meiden und sind auf vielen Festen nur als Trommler oder Sänger, nicht jedoch als Gäste erwünscht. In seiner dritten Ethnographie zur Region beschreibt William S. Sax, Professor für Ethnologie am Südasien-Institut der Universität Heidelberg, wie es diesen Leuten doch möglich ist, Handlungsmacht auszuüben. Sie haben einen Gott, der besonders für die kleinen, bescheidenen und unterdrückten Leute da ist, ein Gott, der selbst klein ist, der seine Schreine tief am Boden braucht und den eine Ästhetik des Horrors umgibt. Bhairav ist, so schreibt Sax, der Gott der kleinen Leute, der diejenigen machtvoll beschützt, die ganz allein sind auf der Welt, für die niemand sonst eintritt. Das Buch ist leidenschaftlich ethnographisch. Sax nimmt den Leser mit auf seine Reisen in die Dörfer, Häuser und Herzen der Menschen. Sein Stil ist reflexiv, er unternimmt den Versuch, das Leben, Hoffen, Streiten und Sterben der Menschen anschaulich und lesbar darzustellen und dabei gleichzeitig seine eigene Rolle nicht zu verschleiern. Er erzählt, wie er die Ritualspezialisten traf, wie er begann von ihnen zu lernen und sie auf ihren Reisen begleitete, um seine Aufzeichnungen zu machen. Gleichzeitig lässt er die Subjekte seiner Forschung sich selbst vorstellen, mir der eigenen Narrative über ihr Leben und Schaffen. So taucht der Leser tief ein in den Kult der Gottheit Bhairav, dessen machtvollste und beängstigende Form Kachiya Bhairav das Leiden der unteren Kasten verkörpert. Durch die Lieder und Geschichten der Patienten, Orakel und Heiler wird klar, wie stark die Gottheit, ebenso wie Geister und Dämonen Teil des sozialen Handlungsnetzwerks sind. Heilung, so Sax, geschieht immer durch ein kompliziertes Netzwerk von menschlichen und nichtmenschlichen Agenten. Zentral dabei ist die Einheit der Familie, zu der eben nicht nur die Lebenden gehören, sondern auch die Verstorbenen und die Götter. Geister werden so zu sozialen Agenten. Gefangen in einem Netz von Tod und unerfüllten Wünschen befällt ein Geist seine Verwandten, die Exorzismusrituale durchführen müssen, um den Geist in einen Vorfahren zu verwandeln. Die Rituale der Gottheit Bhairav sind nicht nur Heilungsrituale, sondern auch Rituale der Einheit der Familie, der Einheit der Kasten, sie können aber auch aggressive Rituale sein, Rituale der Rache, die so zu unmoralischen Handlungen werden. Sax widmet sich der Frage, inwiefern Besessenheit als eine Strategie verstanden werden kann, persönliche Ziele durchzusetzen. Er sieht dies nicht im Sinne von Lewis, sondern im Sinne von Bourdieu und definiert Besessenheit als strategische Handlung, die tief in der kulturellen Lebenswelt verankert ist, und zwar nicht als ein Glaube, sondern als eine Praxis. Nur diese Sichtweise auf rituelle Heilung, so Sax, kann zum Verständnis von der Wirksamkeit der Rituale führen. Denn wenn wir als Wissenschaftler Rituale per se als unmodern und abergläubisch abtun, und damit den Versuch des Verständnisses gar nicht mehr unternehmen, verpassen wir zu erkennen, wie effektiv Rituale in Wirklichkeit sind.
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Von: Savifa am 21. April 2009 keine Kommentare
The Social History of Health and Medicine in Colonial India / Biswamoy Pati and Mark Harrison. London: Routledge, 2008.
Forschungen zur Geschichte der Medizin bzw. des Gesundheitswesens gehören sicherlich zu den neueren Betätigungsfeldern für Historiker. Gleichwohl sind in den letzten Jahren eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Fragestellungen in diesem Bereich bearbeitet worden. Dies gilt auch für den indischen Subkontinent. Wie die beiden Herausgeber Biswamoy Pati (Delhi University) und Mark Harrison (Oxford University) in ihrer Einleitung betonen, wollen sie mit ihrer Veröffentlichung dieser Entwicklung Rechnung tragen. In zwölf thematisch sehr weit gestreuten Beiträgen werden neuere Forschungsergebnisse der Medizingeschichte für das koloniale Indien präsentiert. Bereits 2001 veröffentlichten die beiden Herausgeber ein Sammelwerk mit dem Titel Health, Medicine and the Empire, welches sich ebenfalls mit Aspekten von Medizin und Gesundheit in Indien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts befasste.
Das zentrale Thema der Aufsatzsammlung ist das Gesundheitswesen im kolonialen Indien. In verschiedenen Essays werden Gründe und Motive, die zum Aufbau eines öffentlichen Gesundheitswesens führten diskutiert. Dazu gehören die Entstehung eines Bewusstseins für staatliche Gesundheitsfürsorge sowie machtpolitische und wirtschaftliche Faktoren.
Einige der Studien befassen sich mit Einrichtungen für Lepra-Kranke, Geisteskranke oder indische Armeeangehörige. Auch das Thema des Umgangs der britischen Kolonialverwaltung mit indigenen Heilpraktiken und Medizin wird in einem Aufsatz behandelt. Sehr lesenswert sind zwei Beiträge, die sich mit dem Gebrauch von Opium im westlichen Indien bzw. mit Werbung für medizinische Angebote und Arzneimittel in Indien beschäftigen.
Alle zwölf Artikel wie auch die Einleitung der beiden Herausgeber sind sehr informativ und regen zur weiter gehenden Lektüre auf dem Gebiet der Medizin- und Gesundheitsgeschichte an. Sie verdeutlichen, wie vielfältig Geschichte sein kann, und dass es dabei nicht nur um ’“große“ Männer geht, die Geschichte machen’.
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Von: mario am 24. März 2009 keine Kommentare
Ich lese zur Zeit das Buch „Der unbekannte Kontinent. Alltag in Indien.“ von Wolfgang Hieber. Hieber war als Universitäts-Dozent u.a. in Neu-Delhi tätig und hat seine mannigfaltigen Erlebnisse während seiner Indienaufenthalte in einfacher, zügig zu lesender Sprache und in verständnisvollem Ton niedergeschrieben. Vom Titel des Buches sollte man sich nicht abschrecken oder täuschen lassen, denn es birgt wohl selbst für Leute vom Fach (Indologie/Südasienwissenschaft) noch viele kleine, neue Informationen und Einsichten. Selbstreflektion ist dabei Hiebers Stärke. In viele Situationen, die er aus dem Alltagsleben in indischen Städten und vorallem: Dörfern beschreibt, werden sich selbst hinterfragende Abschnitte eingeflochten, werden die eigenen westlichen, deutschen Werte nicht verhelt und höhergestellt. Im Gegenteil.
Hieber stellt sich dieselben Fragen, die sich jede/r Indienreisende im Laufe eines Aufenthalts stellen wird oder gestellt hat: Warum ist ist unser (westliches) Denken so? Worin unterscheidet sich das indische, und woran erkennt man das? Durch kleine, auch banale Begebenheiten kann Hieber dieses Selbstbefragung verdeutlichen.
Da er sich, wie es scheint, auch viel unter der Landbevölkerung aufgehalten hat, sind seine Mitteilungen über das Leben dort gerade für Nicht-Ethnologen und an Reiseführern orientiere Touristen besonders reizvoll. Welche Rolle spielen hier die Frauen, welche Probleme bereitet die Demokratie? Welche Freiheiten und welchen Stellenwert haben Kinder, und warum? -
Das Buch ist bei Amazon derzeit für einen Spottpreis zu erstehen. -
Das zweite Buch ist „Der Atem Indiens“ des italienischen Filmregisseurs, Essayisten und Kritikers Pier Paolo Pasolini (1922-1975). Pasolini reiste 1961 zusammen mit Elsa Morante und Alberto Moravia nach Indien. Er beschreibt seine Impressionen, die er vor allem in den Abend- und Nachtstunden auf seinen Spaziergängen einfing.
Pasolinis Blick auf Indien ist jedoch der des deutlich eurozentrischen Westlers. Schonungslos beschreibt er Armut, lässt er sich über verwunderliche Formen von Spiritualität und das verbreitete Schönheitsindeal „der Inder“ aus, und degradiert mit italienischem Temperament einmal den Nobelpreisträger Rabindranath Tagore zu einem „Bauerndichter“. Wer ohne die rosarote Brille in Indien unterwegs war oder ist, wird, wenn er ehrlich zu sich selbst ist, dem ein oder anderen Punkt Pasolinis (nicht unbedingt den hier genannten) zustimmen oder zumindest nachvollziehen können. So merkwürdig es jetzt klingen mag, aber: Pasolini steht „den Indern“ als Volk keineswegs feindselig oder verachtend gegenüber. Er verleiht seinem Kulturschock jedoch deutliche Worte und hinterfragt sich nicht oder nicht in dem Maße, wie eben Wolfang Hieber in seinem Buch es tut.
Lesenswert ist das Buch denn aber in jedem Fall, denn es kann einen - gerade bei einem ersten, euphorischen Indienbesuch, bei dem einem das Land als das Paradies erscheinen möge - mit seiner schönen Sprache auf den Boden der gesunden Rationalität zurückholen.
Doch mit Blick auf ein durchschnittliches Reisegepäck kann ich vielleicht abschließend folgende Empfehlung geben.
Pasolinis „Der Atem Indiens“ lese man entweder schön zu Hause im Sessel oder nach der Indienreise, Hiebers „Alltag in Indien“ jedoch kann man, auch wenn es das dickere der beiden Bücher ist, getrost mit ins Handgepäck stecken und schon im Hinflug anfangen zu lesen.
Hieber, W.: Der unbekannte Kontinent. Alltag in Indien.
ISBN 978-3430145763
Pasolini, P.P.: Der Atem Indiens.
ISBN 3-924175-23-3
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Indien
Reisebeschreibung
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Von: Savifa am 03. November 2008 keine Kommentare
Churchill, Roosevelt and India: Propagand during World War II / Auriol Weigold. New York: Routledge, 2008.
Auriol Weigold, Mitarbeiterin an der Fakultät für Kommunikation und Internationale Studien an der Universität von Canberra , beschreibt in ihrem Buch die Bemühungen Großbritanniens, den Zeitpunkt der Dekolonialisierung Indiens so weit wie möglich hinauszuzögern. Neben den negativen Auswirkungen auf das britische Kolonialreich befürchtete man auch eine Schwächung der Anti-Hitler-Koalition. Zudem stand mit Premier Winston Churchill ein Mann an der Spitze des Vereinigten Königreichs, der wie kein zweiter den imperialen Anspruch Großbritanniens verkörperte. Sein engster Verbündeter war der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt, der doch zugleich in der Indien-Frage eine viel liberalere Haltung einnahm.
Die öffentliche Meinung in den USA sollte zu Gunsten Großbritanniens beeinflusst werden, um so den US-amerikanischen Druck zu vermindern, eine rasche Unabhängigkeit Indiens zu ermöglichen. Die Beeinflussung des Meinungsklimas in den USA geschah über Informationen, die der US-amerikanischen Presse zugespielt wurden. Insbesondere die größeren Tageszeitungen wurden als Verstärker der britischen Interessen genutzt. Ein willkommener Anlass für Großbritanniens Propagandaschlacht war das Scheitern der Cripps-Mission 1942. Sir Stafford Cripps erhielt den Auftrag und das Verhandlungsmandat über eine indische Unabhängigkeit nach Kriegsende zu verhandeln. So lange kein Waffenstillstand geschlossen werde, sollten die indischen Verhandlungspartner einer weiteren Einschränkung ihrer Selbstbestimmungsrechte zustimmen. Weiterhin beinhaltete die Offerte den Schutz der Minderheiten, was auch der möglichen Gründung eines eigenen Staates für Indiens Muslime weiter die Tür öffnete. Winston Churchill rechnete fest damit, dass die Mission scheitern würde und man der indischen Seite "den schwarzen Peter" zuschieben könne. Als trotzdem eine Einigung näher rückte, wurde Stafford Cripps das Verhandlungsmandat entzogen. Die indischen Vertreter wiesen die nicht mehr verhandelbare Zwischenlösung für die Dauer des Krieges zurück. Die Mission war tatsächlich gescheitert.
So konnte nun das britische Verhandlungsangebot als kluge, weitsichtige Entscheidung angesehen werden, deren Scheitern der indischen Seite anzulasten sei. Die indische Unabhängigkeitsbewegung konnte als unversöhnlich dargestellt werden, die keinen Willen zur Übernahme der Regierungsverantwortung zeige und zudem kein Gespür für die Minderheitenproblematik habe. Insbesondere die britische Botschaft in Washington lancierte diese Sichtweise, die von großen Tageszeitungen übernommen wurde und somit die US-amerikanische Sichtweise prägte. Somit gelang es Großbritannien für einen gewissen Zeitraum tatsächlich die öffentliche Meinung in seinem Sinn zu beeinflussen, was jedoch den Gang der Ereignisse letztlich nicht aufhalten konnte.
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Wissenschaft
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Von: Savifa am 03. November 2008 keine Kommentare
Sociology of Population in India / Ehsanul Haq. New Delhi: Macmillan, 2007.
Indien ist mit ca. 1,147 Mrd. Einwohnern (Stand: Juli 2008) nach China das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde. Bis 2025 bzw. 2050 sollen Schätzungen zufolge die Einwohnerzahlen auf 1,37 bzw. 1,7 Mrd. anwachsen. Damit wäre Indien dann nicht nur die bevölkerungsreichste Demokratie, sondern auch das bevölkerungsreichste Land der Erde. Obwohl diese Zahlen an sich beeindruckend sind, ist es doch noch spannender zu schauen, wie sich die indische Bevölkerung zusammensetzt, welche Faktoren das Bevölkerungswachstum beeinflussen und wie sich die Bevölkerungsstruktur entwickelt hat und weiterentwickeln wird. Hier liefert das Buch von Ehsanul Haq, der Professor am Centre for the Study of Social Systems (JNU, Delhi) ist, viele interessante EInsichten und Antworten, die zudem durch unterschiedliche theoretische Ansätze fundiert sind.
Untersucht werden die drei Komponenten Bevölkerungswachstum durch Geburten, Bevölkerungswanderung und Bevölkerungsrückgang durch Tod. In Bezug auf diese drei grundlegenden Variablen wird auch die staatliche Bevölkerungspolitik bewertet, der Ehsanul Haq hinsichtlich der Reduzierung der Geburtenrate (Anti-Natalismus) wenig Effektivität attestiert. Weiterhin wird auch die Alters- und Geschlechtsstruktur der indischen Gesellschaft dargestellt und analysiert. Dabei zeigt sich, dass Indien gemessen an seiner Altersstruktur, ein junges Land ist. Das Durchschnittsalter liegt bei 22,9 Jahren. Bedingt durch die steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten nimmt der Anteil älterer Bevölkerungsgruppen jedoch kontinuierlich zu.
In einem weiteren Kapitel werden die gegenseitigen Abhängigkeiten von sozialer Entwicklung und Bevölkerungswachstum herausgearbeitet. Indien braucht ein stetiges Wirtschaftswachstum, um Arbeitsplätze für die immer größer werdende Zahl derjenigen zu schaffen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Zudem besteht die Sorge, dass ein hohes Bevölkerungswachstum sozialen Fortschritt behindere (Bevölkerungsfalle nach Thomas Malthus). Dem entgegen spricht sich der Autor gegen eine anti-natalistische Bevölkerungspolitik aus und fordert, dass sich der Staat mehr auf die Förderung von nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung und sozialem Fortschritt konzentrieren solle.
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Von: Savifa am 28. Oktober 2008 1 Kommentar
Kein ganz gewöhnliches Leben / Baby Halder. Heidelberg: Draupadi-Verlag, 2008.
Es ist selten, dass Autobiographien als literarische Sensation gefeiert werden. Noch ungewöhnlicher ist dies sicher, wenn die Autorin erst mit der Schilderung der eigenen Lebensgeschichte richtig zu schreiben gelernt hat. Bei Baby Halder und dem vorliegenden Buch ist dies der Fall. Dabei verläuft ihr Leben zunächst gar nicht so ungewöhnlich, wie dies der Titel des Buches zu suggerieren scheint. Als Tochter eines Armeeangehörigen verbringt sie eine recht glückliche Kindheit in Bengalen, geht zur Schule und lernt eifrig. Bis ihr Vater seine Stellung bei der Armee aufgibt und zu seiner Familie zurückkehrt. Die Ehe ihrer Eltern scheitert und Baby Halders Mutter verlässt die Familie mit ihrem jüngsten Sohn. Sie selbst wird ihrem Vater und seiner neuen Frau zur Last, und so verheiratet er sie mit dreizehn an den erstbesten Mann, der doppelt so alt ist wie sie. Ein Jahr später wird Baby Halder zum ersten Mal Mutter und stirbt beinahe an den Folgen der Geburt, ohne dass sich ihr Mann im Krankenhaus sehen lässt. Nach Jahren häuslicher Gewalt entschließt sie sich schließich dazu, mit ihren drei Kindern nach Delhi zu gehen. Dort arbeitet sie als Hausangestellte und hält sich mit Arbeiten als Dienstmädchen über Wasser. Doch auch hier wird sie missbraucht, eingesperrt und darf zeitweise ihre Kinder nicht sehen.
Bis zu diesem Punkt ähnelt Baby Halders Lebensgeschichte der unzähliger indischer Frauen. Eines Tages jedoch findet sie Anstellung im Hause Prabodh Kumar Srivastavas, eines emeritierten Anthropologie-Professors und Enkel des Hindi-Autoren Premchand. Dieser erkennt Baby Halders Interesse für Bücher und ermutigt sie, Literatur zu lesen und schießlich auch zum Schreiben. Als eines Tages ihr Slum von der Stadtverwaltung Delhis niedergewalzt wird, bietet Prabodh Kumar Baby Halder und ihren Kindern in seinem Haus Unterschlupf. Durch seine Unterstützung erscheint ihre Lebensgeschichte unter dem Titel Alo Andhari (Vom Dunkel ins Licht) zunächstin einer bengalischen Literaturzeitschrift und kurze Zeit darauf, übertragen von Prabodh Kumar, auch auf Hindi. Die 2006 erschienene englische Ausgabe machte Baby Halder schließlich in ganz Indien und darüber hinaus bekannt. Übersetzt von Annemarie Hafner liegt sie nun auch auf Deutsch vor.
Doch was macht dieses Buch so ungewöhnlich? Sicherlich ist es nicht allein ihre Lebensgeschichte und der bloße Umstand, dass eine marginalisierte Frau einmal selbst über ihr Leben schreibt. Baby Halders Leistung allein darauf zu reduzieren, wäre ungerecht. Erstaunlich ist vielmehr die differenzierte und reflektierte Art und Weise, wie sie sich mit ihrem eigenen Leben auseinandersetzt und sich nicht zum Opfer stilisiert.
Zur Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr weilte Baby Halder in Deutschland. Im Anschluss daran, geht sie auf eine Lesereise durch verschiedene Städte in Deutschland. Die Termin für die einzelnen Lesungen finden Sie auf der Homepage des Draupadi Verlags .
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