Sie sind hier: Startseite Blogs Rezensionen Leben im Kurtisanenviertel Hira Mandi in Lahore
Von: Savifa am 27. Mai 2008
Kategorie: Rezensionen Archiv
The dancing girls of Lahore: selling love and saving dreams in Pakistan's ancient pleasure district / Louise Brown. New York: Fourth Estate, 2005
Über vier Jahre hinweg besuchte die britische Soziologin Louise Brown das im Schatten der vom letzten Mogul-Herrscher erbauten Badshahi-Moschee gelegene Kurtisanenviertel Hira Mandi (Diamantenmarkt) in Lahore. Untergebracht im Hause Iqbal Hussains, eines international bekannten pakistanischen Malers und selbst Sohn einer Prostituierten, untersuchte sie dort das Leben der Sexarbeiterinnen. Daraus entstand neben akademischen Arbeiten auch das vorliegende Buch The dancing girls of Lahore, das in deutscher Übersetzung unter dem vollkommen verunglückten Titel Maha, die Tänzerin: meine Reise in die Welt eines orientalischen Rotlichtviertels erschienen ist.
Basierend auf den Einträgen in ihren Forschungstagebüchern schildert uns Louise Brown das Schicksal von Maha und ihren fünf Kindern, aber auch von dem langsamen Übergang des einst für seinen Tanz und seine Dichtung berühmten Hira Mandis in ein gewöhnliches Rotlichtviertel. Maha wurde bereits als Tochter einer Sexarbeiterin geboren und im Alter von zwölf Jahren zur Entjungferung durch ein Mitglied der regierenden Scheich-Familie in die Vereinten Arabischen Emirate geflogen. Zurück in Lahore gewann sie die Gönnerschaft verschiedener reicher pakistanischer Geschäftsmänner, ließ sich von einem dieser als Zweitfrau heiraten und gebar ihm zwei ihrer fünf Kinder. Als sie mit Mitte dreißig von ihrem Mann mehr oder weniger verstoßen wird, lernt sie ihre zwölf und vierzehn Jahre alten Töchter in ihrer alten Arbeit an.
Das spannend geschriebene Buch ist mehr als nur der Lebensbericht Mahas und ihrer Kinder. Es besticht durch seinen Detailreichtum, Browns Schilderungen des alltäglichen Lebens in Hira Mandi sowie den gut erforschten Hintergrundinformationen und vermittelt so einen lohnens- und lesenswerten Einblick in das Schicksal der Sexarbeiterinnen, nicht ohne im Nachwort selbstkritisch anzumerken: "While Maya and her children sell sex, I live, at least in part, by teaching about what they do."
Als registriertes Mitglied können Sie einen Kommentar zu diesem Beitrag verfassen.
Noch keine Kommentare vorhanden.
Dies ist der Blog von suedasien.info, dem Informationsportal zu Südasien. In Ergänzung zu den ausführlichen und redaktionell bearbeiteten Analysen auf suedasien.info gibt dieser Blog den Raum für kurze subjektive Eindrücke aus und zu Südasien. Die einzelnen (namentlich gekennzeichneten) Beiträge entsprechen nicht unbedingt der Meinung der Redaktion und des Herausgebers.
Wir freuen uns über neue Autorinnen und Autoren. Beschäftigen Sie sich mit Südasien oder sind Sie vielleicht gerade vor Ort und möchten von Ihren Eindrücken berichten? Schreiben Sie uns einfach eine kurze E-Mail und erzählen Sie ein wenig von sich und den Themen, über die Sie schreiben wollen.
© 2005-2011 suedasien.info
Konzeption und Design:
Scharfschwerdtstrasse 43 - Webentwicklung, Beratung, Schulung