Blogs: Rezensionen

Sie sind hier: Startseite   Blogs   Rezensionen   Buddhismus und Gewalt

Buddhismus und Gewalt

Von: Savifa am 27. Mai 2008

Kategorie: Rezensionen Archiv

Buddhism and violence / ed. by Michael Zimmermann. Lumbini: Lumbini International Research Institute, 2006.

 Die Bilder in den Medien von aggressiv demonstrierenden tibetischen Mönchen in Lhasa erstaunten vor allem die europäischen Augen in höchstem Maße: wer, wenn nicht Buddhisten, verkörpert denn heute noch den unbedingten Verzicht auf Gewalt als Mittel zum Zweck?

Würde es sich um eine Populärschrift handeln, hätte sich kein noch so zynischer PR-Berater einen besseren Aktualitätsbezug für die Veröffentlichung von Buddhism and violence ausdenken können: die gesamte Weltöffentlichkeit beteiligt sich an der ethischen und politischen Diskussion um die Unruhen in Tibet angesichts der in diesem Jahr von China ausgerichteten Olympischen Spiele. Der Movens für die Veröffentlichung liegt jedoch bereits einige Jahre zurück: die Beiträge des Bandes, der von Michael Zimmermann, Professor für Indischen Buddhismus am Asien-Afrika-Institut und Direktor des Zentrums für Buddhismuskunde an der Universität Hamburg herausgegeben wird, gehen hauptsächlich aus Vorträgen hervor, die im Dezember 2002 im Rahmen der XIIIth Conference of the International Association ob Buddhist Studies in Bangkok gehalten wurden. 

Die Unverhandelbarkeit der Gewaltfreiheit im Buddhismus ist, wenn nicht lediglich (westliches) Wunschbild, so doch zumindest den Gesetzmäßigkeiten der Unwägbarkeiten zwischen theoretischem Anspruch und praktischem Handeln unterworfen - dies zeigen die insgesamt acht Aufsätze, deren Studien sich mit unterschiedlichen regionalen und historischen Kontexten befassen, in denen buddhistische Traditionen oder Personen aktiv aggressiv agier(t)en oder zumindest passiv die Ausübung von Gewalt befürworte(te)n bzw. tolerier(t)en. Die Spannbreite der Themen reicht von einer Studie über das Verhältnis buddhistischer Strömungen zum Selbstmord im alten Indien, dem mittelalterlichen China und dem vom Krieg traumatisierten Vietnam der 1960er Jahre über die Haltung des bekannten Autors zen-buddhistischer Literatur Daisetz Teitaro Suzuki (1870-1966) zum japanischen Militarismus bis hin zur Frage nach der moralischen Rechtmäßigkeit von Tyrannenmorden am Beispiel des tibetischen Monarchen gLang Dar ma (Langdarma), der im Jahr 842 durch die Pfeilspitze eines buddhistischen Mönches zu Tode kam.

Zuletzt geändert am 04.11.2008 22:49:48 von urmila

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Buddhismus Gewalt .

Teilen Sie diesen Artikel anderen mit:

  • del.icio.us
  • Digg
  • Furl
  • Ma.gnolia
  • Mr Wong
  • Reddit
  • Technorati
  • ZicZac

Kommentare

Als registriertes Mitglied können Sie einen Kommentar zu diesem Beitrag verfassen.

Noch keine Kommentare vorhanden.

Voriger Artikel Nächster Artikel

Zum Seitenanfang

Navigation

Über diese Seite

Dies ist der Blog von suedasien.info, dem Informationsportal zu Südasien. In Ergänzung zu den ausführlichen und redaktionell bearbeiteten Analysen auf suedasien.info gibt dieser Blog den Raum für kurze subjektive Eindrücke aus und zu Südasien. Die einzelnen (namentlich gekennzeichneten) Beiträge entsprechen nicht unbedingt der Meinung der Redaktion und des Herausgebers.

Kategorien

Autorinnen und Autoren

Wir freuen uns über neue Autorinnen und Autoren. Beschäftigen Sie sich mit Südasien oder sind Sie vielleicht gerade vor Ort und möchten von Ihren Eindrücken berichten? Schreiben Sie uns einfach eine kurze E-Mail und erzählen Sie ein wenig von sich und den Themen, über die Sie schreiben wollen.

Login

Neu registrieren

Neues Passwort anfordern

Standards

Valides XHTML 1.0 Strict