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Von: peer am 29. März 2009
Kategorie: Nachrichten Archiv
Die Berichte der Internationalen Union der Lebensmittel-, Landwirtschafts-, Hotel-, Restaurant-, Café- und Genussmittelarbeiter-Gewerkschaften ( IUF ) über den Kampf von über 700 Arbeiter_innen, die zum großen Teil seit etlichen Jahren als Leiharbeiter_innen in einer zum Unilever-Konzern gehörenden Lipton-Tee-Fabrik arbeiten und seit Monaten für eine Festanstellung kämpfen, lesen sich fast wie ein Krimi , spiegeln jedoch leider eine der traurigen Seiten der Arbeitswelten in der globalisierten Weltwirtschaft wieder:
Die Unternehmensleitung von Unilever Pakistan hat ihre Angriffe gegen die Arbeitnehmer ihrer Lipton Brooke Bond Teefabrik in Khanewal, Pakistan, verschärft. Die Fabrik - die letzte in einem Land der Teetrinker, die Unilever direkt gehört und von Unilever betrieben wird - beschäftigt rund 750 Arbeitnehmer, die Tee verpacken, von denen aber nur 22 von Unilever direkt beschäftigt werden. Die übrigen 723 werden von sechs Leiharbeitsagenturen auf der Basis "keine Arbeit - kein Lohn" beschäftigt. Diese haben keine Ansprüche auf eine Rente oder Sozialleistungen, erhalten nur ein Drittel der Löhne der ständig beschäftigten Arbeitnehmer und können nicht der Gewerkschaft beitreten, die mit Unilever über Löhne und Arbeitsbedingungen verhandelt. Sie haben eine Organisation gegründet, um ihren Beschäftigungsstatus zu regeln - die Unilever Mazdoor Union Khanewal. Mit Unterstützung des IUL-Mitgliedsverbandes National Federation of Food, Beverage and Tobacco Workers of Pakistan haben rund zweihundert Arbeitnehmer beim Arbeitsgericht beantragt, dass ihr Status von ersetzbar zu ständig beschäftigt geändert wird.
Als Reaktion auf den Kampf der Arbeitnehmer für Gerechtigkeit sind Leiharbeiter von Vertretern der Leiharbeitsagenturen verprügelt, ohne Essen oder Wasser in der Fabrik eingeschlossen und mit dem Verlust ihrer Arbeit bedroht worden. Die Betriebsleitung hat eine kleine rivalisierende Arbeitnehmergruppe gegründet - bei denen es sich überwiegend um Verwandte der Inhaber der Leiharbeitsagenturen handelt - die Gewalt schüren, weil sie offensichtlich hoffen, damit einen "Zwischenfall" zu provozieren, der weitere Vergeltungsmaßnahmen gegen die Arbeitnehmer, ihre Organisation und das Rechtsverfahren rechtfertigen würde.
Jetzt schürt die Betriebsleitung die Spannungen, indem sie Arbeitnehmer, die Anträge auf eine Übernahme in ein Dauerbeschäftigungsverhältnis gestellt haben, bestraft. Sie schickt sie ohne Arbeit nach Hause und erstattet heimlich Strafanzeigen gegen sie bei der Polizei.
[...] Bis zum vorigen Jahr betrieb Unilever zwei Teefabriken in Pakistan. Die Fabrik Karachi beschäftigte 122 ständige Arbeitnehmer und 450 Gelegenheitsarbeiter. Offensichtlich waren das für Unilever zu viele ständig beschäftigte Arbeitnehmer, deshalb wurde der Betrieb geschlossen und die Produktion in ein ehemaliges Lagerhaus verlegt, wo der Tee nunmehr mit Hilfe zu 100% ausgelagerter Zeitbeschäftigter verpackt wird. Auf den Lohnlisten von Unilever stehen jetzt also nur noch 22 Dauerbeschäftigte in der Teeproduktion.
Im dritten Quartal 2008 meldete Unilever Pakistan einen Anstieg seines Nettogewinns um fast 70% gegenüber dem Vergleichszeitraum 2007 - und zahlte eine Sonderdividende [...].
Die IUF hat zur Unterstützung der Arbeiter_innen eine "Prekari-Tee"-Kampagne (englisch: "Casual-T - 100% disposible jobs") im WWW gestartet , auf der Kampagnen-Webseite ist unter anderem auch ein deutschsprachiger Protest-Flyer als PDF zu finden.
Zuletzt geändert am 29.03.2009 23:38:25 von peer
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